Alone With You

16 lange Tage…6:00 Uhr, der Wecker klingelt. Airlock auf, Airlock zu. Airlock auf, Airlock zu. Lagebesprechung mit der künstlichen Intelligenz AF4B/3B. Fahrt mit dem Shuttle zum Missionsort. Airlock auf, Airlock zu. Airlock auf, Airlock zu. Rückkehr zur Station, Nachbesprechung mit der AI…16 lange Tage.

Ein wenig schäme ich mich, auf den Steam Summer Sale gewartet zu haben. Anstelle meiner knauserigen fünf Euro, die ich für Alone With You plus Soundtrack hingelegt habe, wären die ansonsten fälligen 15 Euro mehr als gerechtfertigt gewesen. Rund 10 Stunden gepackte Spielzeit hat Benjamin Rivers mit seinem „Sci-Fi Romance Adventure“ abgeliefert. Deutlich länger als erwartet. Und die letzten 15 Minuten des Spiels machen jeglichen Hass auf die Airlock-Monotonie mit einem Schlag zunichte.

Wir schreiben das Jahr 2064. Alone With You ist die Geschichte des tragisch gescheiterten Terraforming Projekts HC-247a auf dem Planeten Epsilon Eridani B. Das „Rift Event“, auf das im Verlauf des Spiels nicht näher eingegangen wird, hat mit einem Schlag 16 Jahre Forschungsarbeit vernichtet. Man selbst ist der letzte Überlebende dieser Katastrophe. Letzter menschlicher Überlebender um genau zu sein. Einzig AF4B/3B, die AI der Kolonie, deren Schaltkreise ebenfalls noch voll in Takt sind, leistet einem Gesellschaft.

Epsilon Eridani B wird von Tag zu Tag instabiler und ist unweigerlich dem Untergang geweiht. Weniger als ein Monat verbleibt den Planeten zu verlassen. Jedoch ist das letzte sich in Colony A befindliche Rettungsboot zu Beginn des Spiels schwer beschädigt. Vier Komponenten gilt es zu reparieren, die für einen Start und das Überleben im All essentiell sind.

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Alle für die Reparatur notwendigen Kolonisten haben das Rift Event nicht überlebt: Winnie Laurier (Navigationssystem), Pierre Tong (Antrieb), Leslie Bharadwaj (Lebenserhaltung und Lebensmittelsynthese) sowie Jean Lumumba (Energiegewinnung und Stabilisierung). Weder die AI noch man selbst ist in der Lage, das Fluchtschiff alleine wieder startfähig zu bekommen.

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Zeit unorthodoxe Wege zu gehen. Die Idee der der künstlichen Intelligenz ist es, auf Basis aller gespeicherten Daten, Winnie, Pierre, Leslie und Jean in der Holo-Sim Kammer der Station erneut zum Leben zu erwecken, wenn auch nur als Simulation. Gefüttert mit Informationen, die man auf Erkundungsgängen über das gesamte Terraforming-Areal zusammenträgt, sollte es diesen vieren gelingen, das Raumschiff wieder flugfähig zu bekommen. So die Hypothese.

Und so macht man sich nun Tag für Tag daran die Ruinen der Kolonie zu erforschen. 6:00 Uhr aufstehen und die tägliche Mission von AF4B/3B entgegennehmen. Aufbruch zu einem zerstörten Bereich, nach Hinweisen suchen. Sind alle Informationen aufgefunden, tritt man die Rückreise an und synchronisiert die Daten mit dem Stationscomputer. Abgesehen von wenigen Ausnahmen gleicht ein Tag dem anderen.

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Auch ein Großteil der Missionsorte folgt einem ähnlichen Strickmuster. Betritt man einen neuen Bereich der Kolonie so sind in der Regel nur wenige Räume sofort zugänglich. Alle anderen sind geschützt durch Passwörter oder Zutrittskarten. Diese gilt es nun aufzufinden, um so immer tiefer in den zu erkundenden Bereich einzudringen zu können. Stromkabel einstecken, Arbeitsdronen in Betrieb nehmen, Schalter aktivieren…und alles scannen. Irgendwann hat man jeden Raum geöffnet, alles ist aufgezeichnet und der Abschnitt gilt als „gelöst“.

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Pro Tag kann man nur ein Gebäude besuchen. In welcher Reihenfolge man sich durch die Ruinen vorarbeitet bleibt einem jedoch selbst überlassen.

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In der Nacht ist dann Geisterstunde! Die Lebenserhaltungssysteme der Station werden zurückgefahren, so dass genug Energie für die Holo-Sim Kammer zur Verfügung steht. Man trifft auf die Simulationen von Winnie, Pierre, Leslie und Jean.

Allen ist bewusst, dass HC-247a untergegangen ist und sie lediglich eine Existenz als Bits und Bytes fristen. Und alle wollen helfen, haben aber auch einen Wunsch: Herauszufinden wie sie gestorben sind.

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Das ist der Teil des Spiels, der Alone With You zu einem „Romance Adventure“ werden lässt. Mit jedem Erkundungsgang lernt man mehr über die Beziehungen der Kolonisten untereinander und ihre mitunter recht tragischen Schicksale. Unzählige Leichen pflastern den Weg. Tagebücher, Notizen, Logbucheinträge bringen Schritt für Schritt Licht ins Dunkel. Und man selbst hat im Verlauf des Spiels die Möglichkeit mit den Simulationen eine engere emotionale Bindung einzugehen.

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Am Ende von Alone With You wissen Winnie, Pierre, Leslie und Jean über ihr Schicksal Bescheid. Das Schiff ist repariert und man ist bereit den Planeten zu verlassen. Doch was wäre eine Geschichte ohne eine dramatische Entwicklung kurz vor Ende.

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Fazit

Trotz einer gewissen Monotonie ist Alone With You ein tolles Spiel. Und ich werde den Verdacht nicht los, dass diese Eintönigkeit vom Entwickler nicht auch bewusst so gewollt ist. Wie soll denn auch der Tagesablauf auf einer toten Kolonie aussehen?

Die von Alone With You erzählte Geschichte ist fesselnd, das Ende herzzerreißend. Zwei Möglichkeiten stehen zur Auswahl…Ich habe keine Ahnung was passiert wäre, hätte ich mich anders entschieden.

Die reduzierte Graphik von Alone With You gefällt mir persönlich sehr gut. Die Bereiche der Kolonie sind äußerst liebevoll gestaltet. Jedes Gebiet sieht anders aus.

Was mir im Spiel selbst gar nicht so bewusst geworden ist, ist die Klasse des Soundtracks von Ivor Stines. Den kann ich mir noch ganz oft anhören.

Alone With You war beste Unterhaltung und ich freue mich auf alle Fälle auf das nächste Werk von Benjamin Rivers.

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