ISLANDS: Non-Places

Böse Zungen mögen ja behaupten, ich würde all diese kurzen, ausgefallenen Indie-Titel nur auswählen, um schnell meinen Blog zu füllen. Tja, Recht haben sie.

Aber warum nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden? Denn ich spiele gerne abseits der ausgetretenen Pfade des Mainstreams. Und wenn ich Apples App Store so durchforste, dann bleibt mein Blick unweigerlich an den kleinen, feinen und oft recht experimentellen Werken unabhängiger Entwickler hängen.

So auch geschehen bei ISLANDS, einer interaktiven Kunstinstallation des New Yorker Künstlers Carl Burton.

Zehn unwirklich Orte, sogenannte „non-places“, gilt es in dessen Spiel zu erkunden. Ein jeder davon ist eine in sich abgeschlossene, ganzheitliche Erfahrung aus Berühren, Beobachten und Zuhören. Man dreht Objekte im Raum und versucht diese durch ein Antippen zu einer Reaktion zu verleiten. Ein dumpfes Ausprobieren ist dies aber nicht, denn ISLANDS gibt einem immer wieder visuelle Hinweise, mit welchen Teilen einer Landschaft man interagieren kann. Und so lässt man Bäume erblühen, die eine Rolltreppe hinauffahren, Flaschen gleiten wie von Zauberhand aus einem Kühlschrank, um sich zu einem wilden Tanz zu formieren, aus Gepäckstücken auf einem Kofferband wird eine wogende Klaviatur und in der Nacht geheimnisvoll leuchtende Pilze beginnen entlang eines Sendemasts zu wuchern.

Wunderschön, faszinierend, aber auch furchteinflößend sind all die Levels des Spiels, das es vermocht hat, mich rund eine Stunde lang in seinen Bann zu ziehen. Gänzlich ohne Regeln, Highscore oder Zeitdruck.

ISLANDS ist genau die Art von Titel, die ich gerne in einer Virtual Reality-Version erleben möchte. Ich hoffe, dass Carl Burton sich dazu entschließen wird, weitere auf seiner Homepage ausgestellten Konzepte und Kurzfilme in interaktive Spiele zu verwandeln. Mir gefällt seine Kunst nämlich sehr.

Mini Metro

Das Leid mit dem öffentlichen Nahverkehr

Der Münchner Nahverkehr besitzt zwei massive Schwachstellen. Zum einen die sogenannte „Stammstrecke“, auf der sich bis zu sieben S-Bahnlinien einen rund 11 Kilometer langen, zentralen Gleisabschnitt teilen. Vom Ostbahnhof über Marienplatz und Stachus hin zu dem im Westen der Stadt gelegenen Bahnhof Pasing führt der Weg. Und dann sind da noch die U-Bahnlinien 3 und 6, die neun Haltestellen lang im selben Gleisbett fahren müssen. Während die U6 das Klinikum in Großhadern mit dem Forschungscampus der Technischen Universität verknüpft, schafft die U3 eine Verbindung zwischen dem Olympiaeinkaufszentrum und Münchens Tierpark. Zu allem Überfluss geht es auch noch vorbei an Deutschlands größter Präsenzuniversität, und will man in die Allianz Arena zu einem Heimspiel der Bayern, so ist man ebenfalls auf die Linie U6 angewiesen. Das kann eigentlich nicht gutgehen, oder? Wer nach „München U-Bahn Ausfälle“ googelt, der kann sich selbst ein Bild der angespannten Lage machen. Und dennoch gelingt es mir, wenn auch mit regelmäßigen Verspätungen und gelegentlichen Umwegen, dreimal die Woche sicher und wohlbehalten meinen Arbeitsplatz in einer der zahlreichen Trabantenstädte zu erreichen. Also alles halb so schlimm. Und nichts im Vergleich zu den desaströsen Netzen, die ich beim Spielen von Mini Metro aufgebaut habe. Persönlicher Tiefpunkt ist meine Version von New York, die bereits nach 110 beförderten Fahrgästen in sich zusammengebrochen ist.

Mini Metro

Bei „Mini Metro“ des neuseeländischen Entwicklerstudios Dinosaur Polo Club handelt es sich um einen „minimalistischen Sandkasten für die Gestaltung von U-Bahnnetzen“. Das hört sich mal so richtig langweilig an, könnte aber wider Erwarten nicht nervenaufreibender sein.

In insgesamt 20 Städten gilt es Verkehrsverbindungen einzurichten. Von London über Osaka und Montreal bis hin zu Auckland. Einmal rund um den Globus.

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Aus vier Spielmodi kann man dabei auswählen, Standard, Extrem, Endlos und Kreativmodus. Die Aufgabenstellung ist jeweils identisch, nur der Schwierigkeitsgrad ein anderer.

Ein jedes Level startet mit drei U-Bahnstationen, die der Zufallsgenerator auf einem spartanisch gestalteten Stadtplan platziert. Mit ebenso drei U-Bahnlinien ausgestattet, gilt es nun, diese Stationen miteinander zu verbinden, so dass der Zugverkehr ins Rollen kommen kann.

Die Züge fahren dabei von allein und auch die virtuellen Fahrgäste werden von den Algorithmen des Spiels gesteuert. Wer ein- oder aussteigt, darüber hat man als Spieler keinerlei Kontrolle. Einzig die U-Bahnlinien kann man ziehen und verschieben, neue Züge aufs Gleis setzen, oder zusätzliche Waggons anhängen. Und stets muss man darauf achten, dass es nicht zu einem Kollaps des Netzes kommt. Denn dann ist das Spiel vorbei.

Wie Pilze schießen immer neue Stationen aus dem Boden. Man spielt zusätzliche Züge frei und wird immer wieder vor die Wahl gestellt, ob man als Upgrade lieber eine neue Linie, Waggons oder aber Brücken bzw. Tunnels auswählt. Gerade bei Städten mit einem Fluss im Zentrum überlegt man sich besser zweimal, ob man auf eine zusätzliche Verbindung verzichten möchte. Denn plötzlich erscheint eine neue Station auf der anderen Seite des Ufers und man besitzt keine Möglichkeit dorthin zu gelangen. Das ist dann unweigerliche das Ende.

Im Standard-Modus gilt es 500 Fahrgäste auf einer Karte zu befördern, um das jeweils nächste Level freizuschalten. Hört sich nicht allzu schwer an, ist es aber. An Kairo bin ich fast verzweifelt. 477, 489, 486, schon wieder nichts. Das war echt eine harte Nuss zu knacken. Als Herausforderung reicht mir dies vollkommen aus.

Mini Metro ist ein richtig spannendes Spiel. Recht schnell wird einem klar, ob ein Streckennetz überhaupt eine Zukunft besitzt. Wenn dann aber die Stationen überzulaufen beginnen und der Zusammenbruch droht, so tut man alles, um nur irgendwie noch die magische Grenze von 500 beförderten Passagieren zu erreichen.

Für die Schwierigkeitsstufe „Extrem“, bei der man einmal gezogene Linien nicht mehr verändern darf, bin ich nicht geeignet. Und auch die ellenlange Liste an Steam-Achievements muss ich nicht komplettieren. Vielleicht versuche ich mich aber bei Gelegenheit noch an dem Endlos- sowie dem Kreativmodus. Denn einfach nur den Zügen bei ihrem Weg über die Karte zuzusehen, hat etwas Meditatives an sich, das mir sehr gut gefällt.

Fazit

Ich hatte die Hoffnung, die tatsächlichen Pläne der jeweiligen Städte zur Hilfe nehmen zu können, sollte es mal eng werden. Letzen Endes sind aber Gebilde entstanden, die so rein gar nicht der Wirklichkeit gleichen.

Hier meine Version von Singapur…
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…und im Vergleich dazu die Realität.

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Unweigerlich ist ein jedes meiner Netze auf kurz oder lang zusammengebrochen. Ein Gleichgewicht zu finden, das Bestand hat, ist sehr schwer. Schon eine einzige weitere Station kann den Einsturz bedeuten. Zumindest ist es mir in dem südostasiatischen Stadtstaat gelungen, meinen persönlichen Rekord von über 1600 beförderten Fahrgästen zu erreichen. Dreimal mehr als zum Weiterkommen notwendig.

Schade, dass kein München-Level im Spiel enthalten ist. Da ich das Netz meiner Stadt in- und auswendig kenne, hätte es mich sehr interessiert, wie es als Simulation Bestand gehabt hätte.

Wer Mini Metro spielt, der tut gut daran, sich vorab ein wenig Online über die einzelnen Stationssymbole zu informieren. Was ist ein Knotenpunkt, was eine Wohnsiedlung und wo stehen nur Bürogebäude? Zumindest ein Krankenhaus ist durch ein Kreuzsymbol auf der Karte leicht auszumachen und ein Football kennzeichnet ein Stadion. Eine Linie mit solch einer Station muss auf alle Fälle mit zusätzlichen Zügen und Waggons unterstützt werden.

Was dem Spiel auch gut ist, dass man den Ablauf beschleunigen kann. Ich habe kein einziges Level in der Ausgangsgeschwindigkeit gespielt, sondern gleich zu Beginn auf „Vorspulen“ geschaltet. Das ist immer noch ausreichend langsam, so dass man gut auf Veränderungen reagieren kann.

Mini Metro ist großartig. Einen reinen U-Bahn-Simulator hätte ich nie im Leben gespielt. Oft genug bin ich selbst mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, da muss ich nicht auch noch in meiner recht knapp bemessenen Freizeit einen Zug steuern.

Aber einen spielerischen Einblick darin zu erhalten, was es bedeutet ein Schienennetz aufzubauen und vor allem auch am Leben zu erhalten, bei einer ständig wachsenden und sich verändernden Stadt, lässt mich meinen eigenen Arbeitsweg von nun an mit ganz anderen Augen sehen. Richtig gut habe ich es hier in München. Was wenn ich in Metropolen wie Istanbul, Shanghai oder Mumbai auf den Zug angewiesen wäre? Gar nicht zu reden von meinen Eigenkreationen.