Streets of Rage

Hach, schön wenn man so leicht beeinflussbar ist. Noch bevor die letzte Folge meines Lieblingspodcasts zu alten Computerspielen zu Ende gehört ist, suche ich bereits nach einer Möglichkeit den SEGA-Klassiker Streets of Rage zu spielen. Gestern wusste ich noch nicht einmal, dass das Beat ’em up überhaupt existiert und heute könnte mich nichts brennender interessieren. Einem den Mund wässrig zu reden, das verstehen die Herren Schmidt und Käufer ganz ausgezeichnet. Wer mehr über „Streets of Rage“ und seine Entstehungsgeschichte erfahren möchte, dem sei „Super Stay Forever“ Episode 17 wärmsten empfohlen.

Bei den „Straßen des Zorns“ handelt es sich um ein Szene für Szene seitwärts scrollendes Prügelspiel aus dem Jahre 1992, bei dem es gilt, innerhalb eines Zeitlimits einen jeden Abschaum niederzuknüppeln, der es wagt, sich einem in den Weg zu stellen. Untermalt von klasse Musik und dem Kreischen der Gegner, das ertönt sobald deren Lebensbalken auf null gesunken ist.

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Die Hintergrundgeschichte zu „Streets of Rage“ ist schnell erzählt. Eine einst blühende und friedliche Großstadt ist in die Hände einer Verbrecherorganisation gefallen, die sowohl die Regierung als auch die Polizeikräfte unterwandert hat. Eine Gruppe junger, nicht unterzukriegender Polizisten hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Stadt ein für alle Mal von dem sie bevölkernden Schmutz zu säubern.

Zur Auswahl stehen drei Kämpfer, Adam, Axel und Blaze. Während der blonde Jüngling mit dem blauen Stirnband für den Typ agiler Karatekämpfer steht, bewegt sich Adam als Boxer zwar langsamer, weiß dafür aber mit größerer Wucht zuzuschlagen. Letztendlich hatte ich aber nicht das Gefühl, dass es einen großen Unterschied macht, für welchen der beiden man sich entscheidet. Zu der einzigen Frau im Trio kann ich leider nichts sagen, da ich mich nur mit Adam und Axel durch die heruntergekommenen Gassen und Hinterhöfe gekämpft habe. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Blaze alle Klischees erfüllend, schnell dafür aber leicht verwundbar ist. Ein kurzer Blick auf Wikipedia bestätigt meine Vermutung: „Blaze is a female police officer who lacks high attack power, but has superior speed and jumping abilities to make up for it.“

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Über insgesamt acht Level kämpft man sich von der Straße durch Parks und Lagerhäuser bis in das Penthaus eines Wolkenkratzers, wo man in einem Showdown dem Kopf der Verbrecherorganisation, Mr. X, gegenübertreten muss. Dessen Vorschlag, seine neue rechte Hand zu werden, habe ich dankenswerterweise abgelehnt.

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Zwar ist das Arsenal an Gegnern beschränkt, so dass man immer wieder auf die gleichen Typen trifft, dafür aber recht originell. Punks, feuerspuckende Fettsäcke, peitschendschwingende Dominas, der Fantasie sind wahrlich keine Grenzen gesetzt.

Am Ende eine jeden Levels wartet traditionell der jeweilige Boss-Kampf. Auch hier ist einiges geboten. Von Antonio wird man mit Bumerangs beworfen, Zamza, der stark an Street Fighters Blanka erinnert, fällt mit seinen Klauen über einen her und die Zwillingsschwestern Mona und Lisa schlagen wie wild ein Rad nach dem anderen.

Ohne groß zu recherchieren habe ich mit dem iOS-Port gleich die erste Version von „Streets of Rage“ installiert, die mir in die Hände gefallen ist. Auf die Frage, ob das Ganze auf dem iPhone gut spielbar ist, muss ich mit einem klaren Jein antworten.

Erst vor kurzem hatte ich einen kläglich gescheiterten Versuch unternommen, Altered Beast ebenfalls auf meinem Mobiltelefon in Angriff zu nehmen. Allzu groß waren meine Erwartungen an die „Streets of Rage“-Portierung folglich nicht. Eine Gamepad-Steuerung 1:1 auf einen Touchscreen zu übertragen geht meistens in die Hose. Auch diese Prügelei stellt keine Ausnahme dar, ihr kommt aber die Limitierung auf ein Steuerkreuz und gerade mal drei Buttons zu gute. Springen musste ich so gut wie nie und so konnte ich die anstürmende Gegnerschar alleinig mit dem B-Knopf in ihre Schranken weisen.

Erste Amtshandlung war es übrigens für rund zwei Euro sofort sämtliche Werbung aus dem Spiel zu entfernen. Ob man bis zum Ende mit all den Werbeblöcken durchhält, wage ich zu bezweifeln. Das man sich dennoch für zusätzliche Continues und die Unterstützung durch Polizeikollegen Werbeclips ansehen kann, war aber mehr Glück als notwendiges Übel.

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Gerade bei besonders schwierigen Boss-Kämpfen oder einer deutlichen Überzahl an Schlägern war der Raketenwerfer der Polizei, den man herzurufen kann, eine willkommene Hilfe. Im letzten Level muss man aber auf diesen Beistand gänzlich verzichten, was vor allem die letzte Auseinandersetzung kurz vor der Tür zu Mr. X zu einer wahren Qual für mich hat werden lassen. Denn Mona und Lisa sind zurück und mit all ihren akrobatischen Turnübungen nur sehr schwer zu treffen. Es hat mich eine gefühlte Ewigkeit und unzählige Continues gekostet, diesen Kampf zu meinen Gunsten zu beenden.

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Die drei zur Verfügung stehenden Speicherslots sind für „Streets of Rage“ mehr als ausreichend. Was mich aber ein wenig gestört hat ist, dass ein Spielstand sofort mit der Kennzeichnung „Cheat“ markiert wird, sobald man sich für eine der zusätzlichen Belohnungen entschieden hat. Natürlich habe ich das Spiel nicht mit dem regulär zur Verfügung stehenden Satz an Versuchen durchgespielt, aber muss man dies gleich als Betrug ausweisen? Vor allem wenn das Hinzubuchen von Extraleben als offensichtliche Hilfe in das Spiel integriert ist.

Das Feature, die Zeit im Spiel kurz zurückdrehen zu können, um so eine schwierige Passage erneut in Angriff zu nehmen, ist in meinen Augen absolut nutzlos. Der Vollständigkeit halber sei es hier aber noch erwähnt.

Fazit

Spaß gemacht hat es mir auf alle Fälle. Manchmal muss es einfach ein absolut hirnloses Spiel ohne Tiefgang sein, das alle Klischees der späten 80er Jahre erfüllt. Eigentlich müsste man „Streets of Rage“ zu zweit im Coop-Modus spielen. Am besten vor einem Röhrenfernseher auf der Original-Hardware. Denn für solch eine Spielerfahrung ist der Titel ganz klar ausgelegt. Nur bin ich hierfür leider fast 30 Jahre zu spät.

Die iOS-Version kann ich nur mit Einschränkungen empfehlen. Zum Hineinschnuppern in die Serie ist sie auf alle Fälle geeignet, aber für ein ernsthafteres Spiel kommt man um den Einsatz eines Controllers nicht herum.

Den zweiten Teil habe ich aber schon installiert und kann nach einem kurzen Anspielen schon jetzt sagen, dass es nur noch besser wird. Aber hierzu mehr, wenn ich es mir auch in „Streets of Rage II“ gelungen ist, mich bis zum Abspann durchzukloppen.

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