Leisure Suit Larry in the Land of the Lounge Lizards

Mein erstes Mal hatte ich in einem Jugendzentrum. Im schummrig flackernden Licht eines alten Röhrenmonitors. Vollkommen unerfahren ließen mein Kumpel Sebastian und ich Leisure Suit Larry in EGA-Farbpalette auf dem Bildschirm hin- und her wandern. Mit dem Textparser wussten wir erst gar nicht umzugehen. Letzen Endes erging es uns ein wenig wie dem Protagonisten der Serie, der sich nach dem Verlust seiner Jungfräulichkeit sehnt, aber nach endlich vollzogenem Geschlechtsverkehr mit einer Prostituierten dennoch unerfüllt von dannen zieht. Von der verbotenen Frucht des Computerspiels hatten wir zwar gekostet, so richtig zufrieden waren wir aber nicht.

Als eingeschworenem LucasArts Fanboy ist mir die Welt der Sierra Adventures immer irgendwie fremd geblieben. Weder King’s Quest noch Space oder Police Quest habe ich je gespielt. Es ist Folge 98 meines Lieblingspodcasts über alte Spiele zu verdanken, dass zumindest Leisure Suit Larry nach über 30 Jahren wieder in mein Leben getreten ist.

Nach der Installation von Larry’s Greatest Hits and Misses stürze ich mich ins Vergnügen. In der Hoffnung auf ein besseres Erlebnis als nur einen Quickie wie damals im Jugendhaus. Ausgestattet mit einem Walkthrough. Denn es geht mir primär um das eigene Erleben des Spieleklassikers und nicht darum, mir an den Rätseln stundenlang die Zähne auszubeißen.  

Zunächst gilt es jedoch die dem Spiel vorgeschaltete Alterskontrolle zu überwinden, eine Kette an Fragen, die man nur als vermeintlich Erwachsener zu beantworten vermag.

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Und dann ist es endlich soweit. Ich stehe vor Lefty’s Bar. Eine ikonische Szene der Computerspielgeschichte.

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Das gesamte Abenteuer spielt sich an insgesamt nur sehr wenigen Orten ab. Neben besagter Bar sind dies ein 24-Stunden-Supermarkt, eine Disco sowie ein Casino. Inklusive eines kurzen Abstechers in eine billige Hochzeitskapelle. Als Transportmittel zwischen den Schauplätzen dient ein klappriges Taxi, gesteuert von einem alkoholkranken Fahrer.

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Wie Christian Schmidt und Gunnar Lott in ihrem Podcast zum Ausdruck bringen, ist es weniger die eigentliche Handlung, die Spaß macht, sondern vielmehr all die Kleinigkeiten mit denen das Spiel vollgepackt ist. Da ist der schwarze Hund, der immer wieder bei Untätigkeit des Spielers durchs Bild läuft. Oder die zahlreichen Tode, die man erleiden kann. Betätigt man bei Lefty’s die Toilettenspülung, so ertrinkt man unweigerlich in der abgesperrten Kabine, tritt man aus Versehen auf die Straße, so wird man von einem vorbeifahrenden Auto über den Asphalt geschmiert. Und man sollte es tunlichst vermeiden, mit einer Flasche Wein im Inventar ins Taxi zu steigen.

Der Humor des Spiels ist natürlich mehr als abgedroschen. Da ich aber selbst nie so richtig erwachsen geworden bin, habe ich mich in den rund 45 Minuten, in denen ich der Lösung gefolgt bin, bestens unterhalten gefühlt.

Neben all den sexuellen Anspielungen ist das Spiel gepackt mit Pipi-Kacka- und Alkohol-Witzen. Auf die erste Alkoholleiche trifft man gleich zu Beginn in der Bar, vor dem Supermarkt treibt sich ein Obdachloser herum, den man mit einer Flasche Wein glücklich machen kann und auch der Pfarrer der Kapelle hat ein wenig zu tief ins Glas geschaut.

Hinzu kommen die legendäre Szene des Kondomkaufs, der Anruf bei der Sexumfrage oder aber die flotte Tanzeinlage mit einer Blondine auf beleuchtetem Disco-Boden. Es sind all die das Spiel bevölkernden Charaktere, die ihm einen ganz besonderen Charme verleihen. Sei es der unterbeleuchtete Türsteher, der nur mit einem Fass bekleidete Mann, der Exhibitionist oder aber der gescheiterte Stand-Up Komikers des Casinos.

Fazit

Der erste Teil der Leisure Suit Larry Reihe spielt sich dank ScummVM auch heute noch bestens. Ohne Walkthrough hätte ich aber vermutlich nie das glückliche Ende zu Gesicht bekommen. Auch wenn rückblickend all die Rätsel erstaunlich logisch aufgebaut sind. Aber nur mit ein wenig Hilfestellung bezüglich der möglichen Texteingaben ist das Ganze mehr als schwer. Als Extras liefert GOG zwar unter anderem noch ein Handbuch sowie ein Lösungsbuch. Aber ohne rote Folie zur Hand ist man hier aufgeschmissen. Zum Glück lebe ich in den Zeiten des Breitband-Internets.

Wer also „Leisure Suit Larry in the Land of the Lounge Lizards“ noch nicht gespielt haben sollte, demjenigen kann ich sowohl das Spiel als auch die zugehörige Stay Forever Podcast-Folge nur empfehlen. Denn in Larrys Fußstapfen zu treten macht auch heute noch sehr viel Spaß. Mehr als man sich vielleicht vorzustellen vermag.

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