Bioshock (Remastered)

Es ist mal wieder Shooter-Zeit. Nach wie vor ist Half-Life 2 mein absoluter Favorit dieses Genres, und auch Bioshock vermag Valves Meisterwerk nicht von seinem Thron zu stoßen.

Aber zumindest habe ich jetzt wieder einen derjenigen Titel durchgespielt, die schon ganz ganz lange in meiner Spielebibliothek vor sich hin gammeln. Erste Ballerversuche in der dystopischen Unterwasserwelt Rapture hatte ich bereits mit der Originalversion unternommen. Aber es ist die Remastered Edition, durch die ich mich nun erfolgreich bis zum Abspann gekämpft habe.

2 Take Games Spiel aus dem Jahre 2007 ist auch ein sehr schönes Beispiel dafür, wie schwer es ist, Egoshooter-Mechanik mit einer tiefschürfenden und glaubhaften Geschichte zu kombinieren. Da kommt mitunter ganz schöner Mist heraus. Aber hierzu später mehr.

Worum geht’s?

Die Vorgeschichte zu Bioshock ist schnell erzählt. Eine Passagiermaschine stürzt über dem Meer ab. Als wohl einziger Überlebender der Katastrophe gelingt es mir, mich zu einem Leuchtturm zu retten. Wie praktisch, dass der genau da steht. Ein Aufzug im Inneren führt dann hinab in eine gigantische Unterwasserstadt. Jules Vernes 20.000 Meilen unter dem Meer lässt grüßen.

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Kaum auf dem Meeresgrund angekommen wird aus der Faszination über das Entdeckte schnell blanker Horror. Hier unten stimmt etwas ganz gewaltig nicht. Durch die Scheibe der noch geschlossenen Aufzugtüre werde ich Zeuge einer grausamen Gewalttat.

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Ein Bewohner der Unterwasserstadt namens Atlas nimmt über ein Funkgerät mit mir Kontakt auf und bittet mich seine Familie zu retten. Als von nun an ständiger Begleiter weist er mir den Weg durch die Gänge Raptures, erteilt mir Aufträge und erzählt mir von den Geschehnissen, die zum Untergang der als Paradies geplanten Stadt auf dem Meeresboden geführt haben.

So weit so gut. Die Remastered Edition sieht fantastisch aus. 2 Take Games hat hier ein wahres Meisterwerk geschaffen. Ganz lange könnte ich durch Rapture streifen oder einfach nur durch die Fenster auf das Treiben im Ozean blicken. Wirklich schön und stimmungsvoll gruselig.

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Waffen und Plasmide

Das verfügbare Waffenarsenal ist zunächst gute alte Shooter-Hausmannskost. Rohrzange, Revolver, Schrotflinte, Tommy Gun, Granatwerfer…erst einmal keine Überraschungen hier.

Dann sind da aber noch Plasmide. Eine der großen Erfindungen Raptures ist das sogenannte Adam, eine Substanz, die es erlaubt, Menschen mit neuen Fertigkeiten auszustatten.

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Und so erlernt man durch eine äußerst schmerzhafte Injektion das Verschießen von Feuerbällen und Elektroschocks, aber auch die die Beeinflussung von Big Daddys, das Einfrieren von Gegnern oder aber Telekinese.

Zu Beginn besitzt man zwei freie Plätze für Plasmide, kann aber im Laufe des Spiels weiter aufrüsten. So richtig Gebrauch gemacht habe ich von der ganzen Plasmid-Geschichte jedoch nicht. Was auch dem Schwierigkeitsgrad des Spiels geschuldet ist. Zunächst als erfahrener Shooter-Spieler gestartet, musste ich doch recht schnell einsehen, dass ich mich hier in den Startoptionen verwählt habe. Ein Level herabgesetzt war das Ganze dann aber fast zu einfach, so dass ich mich frei Schnauze mit allem, was so gerade zur Verfügung stand, durchgekämpft habe. Das hebelt natürlich den Gedanken des intelligenten Einsatzes von Waffen und Plasmiden, die Einteilung von Ressourcen und die zahlreichen Upgrades aus.

Nachschub an Munition ist übrigens das gesamte Spiel über durchgängig knapp. Auch das spricht für die Intention der Entwickler, Waffen und vor allem Plasmide mit Vernunft einzusetzen. Bioshock ist kein Duke Nukem. Oft bin ich auch einfach nur gerannt, in dem Versuch so viele Kämpfe wie nur möglich zu vermeiden.

Big Daddys, Little Sisters

SPOILER (ABER WICHTIG)! KEINE LITTLE SISTERS ERNTEN! NICHT EINE EINZIGE! NICHT MAL AUS PURER NEUGIERDE! FINEGR WEG!

Neben all den verrückt gewordenen Überlebenden des Untergangs streifen sogenannte Little Sisters durch die Gänge Raptures. Kleine Mädchen mit tiefroten Augen zapfen den herumliegenden Toten mit einer massiven Spritze ihr Adam ab.

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Auf sich gestellt vollkommen hilflos, werden sie bei ihrer „Ernte“ von Big Daddys beschützt, wahren Monstern in Taucheranzügen. Es ist alles andere als eine gute Idee, sich gleich zu Beginn des Spiels mit solch einem Big Daddy anzulegen. Unweigerlich zieht man bei solch einem Versuch den Kürzeren. Erst im weiteren Verlauf der Geschichte erlangt man die Fähigkeiten, die notwendig sind, die Kolosse auch in die Knie zwingen zu können. Und selbst dann ist dies jedes Mal ein höllischer Kampf auf Leben und Tod.

Soviel sei verraten, ohne Rüstung wird man einen Big Daddy das gesamte Spiel über nicht zu Gesicht bekommen. Aber gegen Ende zu hat man die Möglichkeit, die Welt aus den Augen solch eines Giganten zusehen. In Bioshock 2 spielt man dann übrigens von Anfang an aus Sicht eines Big Daddys. Bisher habe ich aber nur eine gute Viertelstunde in den zweiten Original-Teil investiert. Ich baue auch hier auf eine Remastered Edition.

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Ist ein Big Daddy erst einmal Geschichte, so wird man vor eine schwere Wahl gestellt. Entweder man beutet die nun wehrlose Little Sister aus und verschafft sich so Zugang zu all ihrem Adam, das man ja selbst so dringend benötigt. Oder aber man erlöst die Kleine von Ihrem Bann und schickt ein jetzt wieder normales und unschuldiges Mädchen in die Tiefen der Verbindungsgänge Raptures zurück. Retten oder Ausbeuten?

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Ich habe mich aus purer Neugierde dazu entschieden, genau eine Little Sister zu töten, dies aber beim Abspann des Spiels bitter bereut. Nur wer alle Mädchen befreit bekommt das gute Ende zu Gesicht. Und das ist um Längen besser als alle anderen Ausgänge der Geschichte.

Rapture

Eigentlich hätte es mir während des Spielens sofort wie Schuppen von den Augen fallen sollen. Bioshock spielt mit Motiven aus Ayn Rands Buch „Atlas Shrugged“. Das Ganze ist übrigens großer literarischer Unsinn für pubertierende Republikaner, und die von Rand entworfene Philosophie des Objektivismus ist letztendlich nicht das Papier wert, auf das sie gedruckt wurde. Es bleibt die Hoffnung, dass die Entwickler bei 2 Take Games das ähnlich sehen und Rapture nicht den Plünderern zum Opfer gefallen, sondern an dem Größenwahn der Schaffenden zugrunde gegangen ist.

Abgesehen davon ist die Stadt wie bereits zu Beginn geschrieben schlicht großartig. Hier noch ein paar Screenshots.

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Was alles Mist ist

Es wird Zeit mich ein wenig über Bioshocks Schwächen auszulassen.

Dass an jeder Ecke ein Plasmid-Automat auf mich wartet, leuchtet mir irgendwie noch ein. Aber Automaten für Waffenupgrades oder Stationen an denen man seinen Lebensbalken aufladen kann braucht nur die Shooter-Mechanik, jedoch nicht ein einziger Bewohner Raptures.

Verschlossene Türen mit einer eingelassenen Minitür, durch die nur eine Little Sister kriechen kann? Ernsthaft? Wozu soll irgendjemand solch eine Tür gebaut haben? Und warum ist die kleine Öffnung für die Mädchen immer geöffnet, während die Türe selbst fest verriegelt ist?

Maschinen, Tresore und verschlossene Türen hacken? Ok, verstanden. Aber warum muss ich hier in einem Minispiel Rohre verlegen? Das passt ja nun mal gar nicht.

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Fotos schießen um Boni freizuschalten? Ziemlich früh im Spiel erhält man eine Kamera und den Auftrag Splicer zu fotografieren. Daraus wird ein Spiel im Spiel, das in meinen Augen keinerlei Sinn ergibt.

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Alarm! Andauernd ist irgendwo Alarm. Hin und wieder ist das ja OK. Aber Bioshock übertreibt. Und mir ist meistens auch nicht klar, wie ich denn jetzt schon wieder das Sicherheitssystem Raptures gestört haben könnte. Über weite Strecken des Spiels war ich wie bereits geschrieben einfach nur am Flüchten.

UND…mein Ende war Mist. Und erst recht, nachdem ich mir auf YouTube die gute Endsequenz angesehen habe. Nur darf man hierfür aber keine einzige Little Sister ausnehmen. Nicht eine. Und wer macht das denn schon? Ein jeder probiert doch zumindest einmal aus, was denn passiert, wenn man sich für das Adam und gegen das Leben der kleinen Monster entscheidet. Das Mitgefühl kommt doch erst viel später auf, wenn man über die Herkunft der kleinen Mädchen Bescheid weiß. Aber dann ist es halt zu spät. Auch weiß ich nicht wie man auf einem höheren Schwierigkeitsgrad über die Runden kommen soll ohne die Mädchen zu töten.

Fazit

Bioshock muss man gespielt haben. Fantastische Kulisse für eine Story, die immer wieder eine unerwartete Wendung nimmt. Wirklich sehr gute Unterhaltung. Die zahlreichen Schwächen fallen einem zwar unweigerlich auf, aber man kann auch mal ein Auge zudrücken. Bioshock ist ein Shooter, der in keiner Spielesammlung fehlen sollte.

Ich freue mich auf alle Fälle darauf, im zweiten Teil der Serie wieder nach Rapture zurückkehren zu können.

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