Machinarium

Wenn Amanita Design auf der Packung steht, dann ist da auch Amanita Design drin. Im Guten, wie im Nicht-Ganz-So-Guten.

Machinarium ist das erste vollumfängliche Point & Click Adventure der Macher der Samorost-Trilogie. Als kleiner Roboter gilt es eine von Maschinen bewohnte Stadt im Alleingang vor einem Bombenanschlag zu bewahren und dann ganz still und leise mit einem Hubschrauber zu entschwinden.

Es ist die Geschichte eines stummen Helden, der durch Zufall in eine große Sache hineingezogen wird und von allen unbemerkt die drohende Katastrophe verhindert. Und der ganz nebenbei all den Robotern hilft, denen er auf seinem Weg begegnet.

Ein Held, der sich zu Beginn des Abenteuers noch in seine Einzelteile zerlegt auf einer Mülldeponie vor den Toren der Stadt wiederfindet.

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Das Gute

Was für ein schönes Spiel „Machinarium“ ist. Fantastisch gezeichnete Hintergründe, vor Details nur so berstende Szenen. Der unnachahmliche Stil des tschechischen Entwicklerstudios ist eine seiner großen Stärken.

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Hinzu kommen all die Blechbüchsen, die das Spiel bevölkern. Der Technik zum Trotz menschelt es an allen Ecken und Enden. Ein Roboter ist auf der Suche nach einem verloren gegangenen Haustier, ein Wachposten wünscht sich nichts sehnlicher als eine Batterie für seinen treuen Spielgefährten, dem leider der Saft ausgegangen ist. Selbst eine Kirche findet sich im Spiel. Im Hinterzimmer einer Bar spielen Ganoven Karten, ein Roboter stößt nach einer Niederlage wütend das Spielbrett vom Tisch. Ein im Rollstuhl sitzender Mechanoid benötig Öl für seine knackenden Gelenke und ein Vogel freut sich über ein Radio, das ihm in der Kanalisation Gesellschaft leistet. Und immer wieder wird gezeigt, wie übel dem kleinen Helden des Spiels von seinen Mitrobotern in der Vergangenheit mitgespielt wurde.

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Und doch begibt er sich ohne auch nur einzige Mal zu murren, von seiner Neugier getrieben und seinem Gewissen geleitet, auf seine beschwerliche Reise.

Gesprochen wird in „Machinarium“ kein einziges Wort. Alles, was einem die Roboter mitteilen möchten, wird in Bildblasen dargestellt. Eine wirklich schöne Idee.

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Wie es sich für ein Point & Click Adventure gehört, gilt es die Umgebung zu erkunden, Gegenstände einzusammeln und diese an geeigneter Stelle wiederzuverwenden. So richtig voll und unübersichtlich wird das Inventar dabei jedoch nie.

Eine zentrale Spielmechanik ist es, den kleinen Roboter in die Höhe wachsen zu lassen, bzw. ihn zu schrumpfen, so dass er an auf den ersten Blick unzugängliche Stellen gelangen kann.

Auch wenn es sich bei „Machinarium“ um ein in meinen Augen recht schweres Spiel handelt, so ist doch keine Rätsellösung an den Haaren herbeigezogen. So manche Aufgabe lässt sich schnell bewältigen, erst in der zweiten Hälfte des Spiels werden die Wege durch die Stadt ein wenig länger.

Dankenswerter Weise haben die Entwickler in Form eines Minispiels ein Hilfesystem eingebaut. Will man die gesamte Lösung eines Puzzles zu Gesicht bekommen, so muss zunächst ein kleiner Weltraumshooter gemeistert werden. Erst dann öffnet sich das Lösungsbuch.

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Ein netter Zusatz sind die eingebauten Errungenschaften, die erfolgreich gelöste Aufgaben abrunden.

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Das Nicht-Ganz-So-Gute

Zunächst einmal das offensichtliche. Leider habe ich „Machinarium“ auf meinem iPhone X gespielt. Für solch ein Abenteuer ist der Screen einfach zu klein. Zwar kann man ein wenig in die einzelnen Szenen hinein zoomen, aber so richtig hilft dies nicht. „Machinarium“ ist für ein iPad oder einen Computermonitor gemacht. Ansonsten werden wichtige Details vom Spieler leicht übersehen.

Und auch die Steuerung gestaltet sich mitunter recht hakelig. Persönliches Hassobjekt war eine Treppe, die mein kleiner Blechkumpan etliche Male hinabgestiegen ist, obwohl ich ihn eigentlich ganz woanders hinschicken wollte. Dies funktioniert vermutlich mit einer Maus besser.

Auch die Benutzung von eingesammelten Gegenständen, ein zentrales Spielelement eines Point & Click Abenteuers gestaltet sich mühsam. Erst reichlich spät im Spiel ist mir aufgefallen, dass Objekte leicht aufleuchten, wenn sie an die richtige Stelle gezogen werden.

Alles Weitere ist Geschmacksache. Wer ein Spiel von Amanita Design in die Hände nimmt, weiß in der Regel worauf er sich einlässt. Ein klassisches Adventure à la Lucas Arts ist es nicht. Auch wenn es den großen Vorbildern doch recht nahekommt. Wären da nicht all die Rätsel, die nichts mit dem kreativen Kombinieren von Gegenständen zu tun haben. Viele Aufgaben sind schlicht, mitunter recht frustrierende, Spiele im Spiel. Vollkommen harmlos sind da noch Herausforderungen wie Kabel in die richtige Reihenfolge zu bringen, oder aber Hebel korrekt umzulegen.

Richtig anstrengend wird es aber, wenn man das Spielautomaten-Rätsel erreicht. Hier gilt es neben einem „Space Invader“-Klon fünf Levels eines Schiebepuzzles zu lösen, um so den gewünschten Preis, eine Münze, zu erhalten. Das war eine mehrerer Stellen im Spiel, an denen ich die Flinte ins Korn geworfen und mich auf YouTube nach einer Lösung umgesehen habe.

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Fazit

Sehr oft bin ich beim Spielen von „Machinarium“ auf dem Schlauch gestanden. Vermutlich auch aufgrund meines kleinen iPhone-Screens. Ich hätte mir eine Highlight-Funktion gewünscht, die mir all jene Objekte farblich hervorhebt, mit denen man interagieren kann. Folglich habe ich mehr als einmal den kleinen Shooter spielen, oder mich gar anderweitig nach einer Hilfe umsehen müssen.

Hat es dennoch Spaß gemacht? Oh ja und wie! Das originelle Setting macht viele der Unzulänglichkeiten wieder wett. Und erst die schöne, stille Geschichte des kleinen Roboters. Machinarium ist also auf alle Fälle eine Empfehlung. Nur Finger weg von der Version für das Mobiltelefon!

Jetzt muss ich nur noch Samorost 3 spielen, um mein Amanita-Backlog endlich als erledigt betrachten zu können.

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