Final Fantasy VII

Einen jeden Monat des Jahres 2020 wollte ich einem großen Rollenspiel widmen. „Baldur’s Gate“, „Pillars of Eternity 2“, „Shadowrun Returns“…. Die Kurzfassung ist, dass ich mit meinem Vorhaben kläglich gescheitert bin. Und dennoch werde ich mich höchst zufrieden aus diesem seltsamen Jahr in ein neues verabschieden. Dem siebten Ableger der Final Fantasy Reihe sei es gedankt. Nicht dem auf Hochglanz polierten Remake, sondern dem 1997 für die erste PlayStation erschienen Original in Klötzchengrafik.

Über ein Spiel, das bald ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel hat, ist wahrlich schon genug geschrieben worden. Unzählige Reviews und Walkthroughs bevölkern das Internet. Wer hier nach solchen Inhalten sucht, wird nicht fündig werden. Alles was ich beitragen kann, sind meine ganz persönliche Final Fantasy Geschichte, sowie meine Eindrücke beim erneuten Entdecken dieses Klassikers der Spielegeschichte.

Als FF VII am 31. Januar in Deutschland in den Verkauf ging, war ich durch einen Artikel im offiziellen PlayStation Magazin plus Trailer auf beigelegter CD bereits so richtig angefixt. Ohne jegliche Kenntnis irgendwelcher sonstigen JRPGs. Und ohne den leisesten Hauch einer Ahnung, was mich erwarten würde. Aber wie phantastisch das Intro ausgehen hat. Allein die Kamerafahrt zu Beginn, von der Nahaufnahme Aeris‘ ausgehend, heraus und nach oben gleitend, hin zu den gigantischen Ausmaßen der Metropole Midgar.

Wenn ich an die folgenden Wochen zurückdenke, fällt mir sofort das Ende der ersten CD ein. Nicht der aufrührende Moment als Sephiroth mit gezücktem Schwert von oben herabgleitet, sondern die Ernüchterung, als sich das Spiel kurz danach schlicht aufgehängt hat. Immer und immer wieder. Kein Weg CD 2 zu erreichen. Die Lösung bestand letztendlich darin, die PlayStation auf den Kopf zu stellen!

Was mir damals komplett gefehlt hat, war ein grundlegendes Verständnis der Spielmechanik. Ganz allgemein für RPGs aber vor allem für einen Vertreter dieses Genres aus dem Land der aufgehenden Sonne. Man darf nicht vergessen, vor Teil sieben hatte es noch kein Werk der Final Fantasy Serie je nach Europa geschafft.

So kam es, wie es kommen musste. Zum Endkampf habe ich mich noch irgendwie gequält, aber mit meiner schlecht gerüsteten Gruppe war Sephiroth schlicht nicht in die Knie zu zwingen. Kurz vor Ende musste ich die Segel streichen. Level-Grind, sinnvolle Kombination von Materia, immer die besten Rüstungen und Waffen kaufen sowie die Taschen voll mit Tränken und Phönixfedern zu halten, hatte ich vor über 20 Jahren einfach noch nicht verinnerlicht.

Dank einer geliehenen Speicherkarte konnte ich das Spiel dann dennoch gut ein Jahr später zum Abschluss bringen und endlich den Abspann genießen. Aber meine Leistung war es nicht. Ich habe Final Fantasy VII nicht durchgespielt.

Seit dieser Zeit hat mich FF VII nie wieder losgelassen. Der Soundtrack war neben der Musik zum Anime „Akira“ eine der ersten CDs, die ich während meines einjährigen Japanaufenthalts erworben habe. Über die Jahre sind zahlreiche Action-Figuren hinzugekommen: Sephiroth, Cloud auf einem Motorrad, Aeris, Vincent Valentine. Dann noch ein Motorrad aus dem Film „Final Fantasy: Advent Children“. Und natürlich die Vorgeschichte „Crisis Core: Final Fantasy VII“ für die PlayStation Portable. Ebenfalls ein Spiel, das ich bis heute nicht erfolgreich abschliessen konnte. Die Geschichte wiederholt sich, am Endkampf bin ich nach mehreren Anläufen kläglich gescheitert.

Immer wieder habe ich mit dem Gedanken gespielt, nach Gaia zurückzukehren. Es finden sich FF VII Kopien auf meiner PS3, PS Vita und PS4. Aber es waren die Veröffentlichung des Remakes sowie meine Freude an der Nintendo Switch Lite, die den Stein dann doch noch ins Rollen gebracht haben. Und wie froh ich bin, es doch noch einmal versucht zu haben.

Im Großen und Ganzen hatte ich die Handlung zwar noch im Kopf, aber vor allem die zahlreichen Wendungen und Enthüllungen auf CD 2 hatte ich im Detail vergessen. Schon dafür hat es sich gelohnt. Wobei ich sagen muss, dass sich gerade der Inhalt der zweiten Disc ganz schön in die Länge zieht.

Was mich fasziniert, ist die Vielzahl der Gegner im Spiel. Hier durften sich die Designer so richtig austoben. Von mechanischen Häusern über Geisterschiffe bis hin zu Tonberry, der so harmlos er auch aussieht, einen wahrhaftigen Albtraum darstellt. Früher durfte ich gleich neu laden, wenn er sich mir, nur mit Laterne und Messer aber mit der Fähigkeit „Instant Death“ ausgerüstet, in den Weg gestellt hat. Wie haben mich die unzähligen Zufallskämpfe damals genervt. Jetzt ist mir klar, wie wichtig sie für das Hochleveln der Party sind. Und dass man einfach nicht genug Gil im digitalen Geldbeutel besitzen kann. Materia ist teuer.

Bei den zahlreichen Minispielen und Geschicklichkeitstests muss man einfach durch. Viele davon betten sich toll in die Handlung ein, wie zum Beispiel die Flucht auf dem Motorrad aus dem Shinra Hauptgebäude. Andere wiederum nerven nur. Nach zweimaligem Snowboarden hatte ich die Schnauze voll. Absoluter Tiefpunkt ist eine Stelle im Spiel, an der man in Midgar aus dem Slum auf die darüberliegende Plattform klettern muss. Es gilt den richtigen Zeitpunkt eines Sprungs abzuschätzen, um ein hin und her pendelndes Kabel zu greifen. Das konnte ich 2020 genauso wenig wie vor 23 Jahren.

Fast vergessen hatte ich, wie schwer es sein kann, im Spiel einen Weg zu finden. So schön die gezeichneten Hintergründe auch aussehen mögen, oft fehlen nur wenige Pixel in eine bestimmte Richtung, damit die Polygone der Spielfigur einen Eingang durchschreiten oder zum Sprung ansetzen. Irgendwann hatte ich die Option zur Anzeige von Wegmarkierungen dauerhaft eingeschaltet.

Aber da sind ja noch die Beschwörungen. Oh wie gut diese auch heute noch aussehen. Der Feuer spuckende Ifrit, der Drache Bahamut oder Titan, der Gegner mitsamt darunter liegender Erdplatte aus dem Boden reißt. Einfach schön.

Und natürlich all die großartigen Orte wie Midgar oder die Spielerstadt Gold Saucer, inklusive zugehöriger Rendersequenzen. Das Feuerwerk während der Gondelfahrt mit Aeris werde ich nie wieder vergessen.

Fazit

Rund 40 Stunden Spielzeit hat mich die Reise gekostet. Vom Anschlag auf den ersten Mako-Reaktor bis hin zum Showdown in den Tiefen der Nordhöhle. Und dabei habe ich so einiges ausgelassen. Yuffie Kisaragis Nebenquest hat keinen Platz gefunden, einen goldenen Chocobo habe ich mal wieder nicht gezüchtet und bei weitem nicht jedes Limit-Break freigeschaltet. Ein Blick in einen Walkthrough hat mir gezeigt, wieviel ich verpasst habe. Das Spiel ist wahrlich gigantisch. So schnell werde ich aber nicht zurückkehren. Es warten die überarbeitete Version von Final Fantasy VIII auf mich, sowie das Final Fantasy VII Remake auf der PS 4. Und dann sind da ja auch noch FF X, sowie der sechste Teil für das Nintendo Entertainment System. Mit gerade mal vier durchgespielten Final Fantasy Titeln bin ich immer noch ein Chocobo Kücken.

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